Die Welt schmeckt bunt

Eine Reise durch Schottland – Teil 1

Die Zeit vergeht schnell, wenn man Spaß hat. Besonders, wenn man sie in einem tollen Land verbringt und unzählige wunderbare Eindrücke sammelt, scheint sie nur so zu fliegen. Wir waren die letzen beiden Wochen in Schottland. Das Klima wird weitgehend als gemäßigt mit tendenziell sehr unbeständigem Wetter beschrieben. Und das können wir genau so bestätigen 😉 Die ersten 4 Tage haben wir mit sehr, sehr viel Regen leben müssen. Aus Angst, dass es so bleibt, haben wir uns sogar Regenhosen gekauft. Die haben wir Gott sei Dank aber nicht mehr benötigt. Den Rest der Reise hatten wir mehr Glück mit dem Wetter. Aber von Anfang an. Da diese Reise so schön war und ich mich überhaupt nicht entscheiden kann, was ich euch nicht berichten möchte, werde ich also nichts weglassen und dafür  den Bericht in mehrere Teile aufteilen. Sonst schlaft ihr mir nach der Hälfte des Artikels noch ein 😉

Gelandet sind wir in Edinburgh. Spricht sich, je nach dem wen man fragt, Edinboro oder Edinbra (klang manchmal eher wie Edinbrä).  Die Schotten haben überhaupt einen recht speziellen Dialekt. Das „R“ wird fast immer gerollt und Vokale sind eher selten. Witzig fand ich ein Gespräch mit einer Dame aus Liverpool, die seit vielen Jahren in Schottland lebt. Sie sagte zu mir, ich spreche mit einem schottischen Akzent, aber nicht Schottisch. Prima, da können wir Deutschen Touries uns ja super verstecken! Sonst denke ich immer, werden wir spätestens am Akzent sofort erkannt.

Bleiben wollten wir in Edinburgh nicht. Nachdem wir den Mietwagen abgeholt haben, waren wir auch irgendwie schon mitten drin im Großstadtrummel. Das erste Mal im Linksverkehr! Es ist tatsächlich eine Herausforderung. Etwas Training hätte bestimmt gut getan. Aber nun, da mussten wir jetzt durch. Ich kann euch sagen, es war für mich als Beifahrer mindestens genau so stressig. Ich hatte ja keine Ahnung, was das Herzblatt da tut (bzw ob er weiß, was er tut)  und ob nicht vielleicht doch der Straßenrand an der linken oder der Außenspiegel an der rechten Seite viel zu nah war… Man gewöhnt sich später dran, aber die ersten Stunden waren für uns eine echte Prüfung.

Gut, dass wir schon nach einer guten halben Stunde unser erstes Ziel erreicht hatten. Die Rosslyn Chapel liegt etwas südlich von Edinburgh und ist den meisten wohl bekannt aus der Verfilmung des Thrillers Sakrileg von Dan Brown. Am doch recht modernen Eingangs- und Shop-Gebäude angekommen, bekamen wir die erste Kostprobe britischer Eintrittspreise. 9 britische Pfund sollte es kosten. Dazu gäbe es dann auch eine Führung. Gut, wir sind grundsätzlich nicht die, die in jedes Gebäude rein müssen. Die meisten finden wir von außen schöner. Also haben wir erst mal geschaut, wie weit man ohne Eintrittskarte kommt. Tatsächlich ganz schön weit. Man kann die komplette Kapelle umrunden, was an sich schon sehr lohnenswert ist. Ein schönes Sandsteingebäude mit vielen Türmchen und Verzierungen. Nur hinein durften wir nicht. Theoretisch. Da an diesem Tag die Sonne schien und es außergewöhnlich warm war, waren die Seitentüren der Kapelle ebenfalls geöffnet und man konnte ungehindert rein- und rausspazieren. Auch innen kommt die Kapelle mit beeindruckenden Verzierungen aus Sandstein aus. Die Säulen und die Decke sind übersät mit Motiven. Bilder durfte man keine machen, aber auf der Website könnt ihr euch einen Eindruck holen.

Unser Fazit: Sehr hübsch, aber dem Preis überhaupt nicht angemessen. Für 9 GBP sitzt man eine gefühlte Ewigkeit in der Kapelle und hört einer Dame zu, wie sie die Geschichte der Kapelle, des Clans und einige andere Dinge erläutert. Zugegebenermaßen sehr witzig und überzeugend, aber ich bin mir sicher, dass ich die komplette Zeit nicht hätte stillsitzen können. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist bedeutend kleiner *schäm*

Weiter ging es nach Dryburgh, wo wir auch übernachtet haben. Noch weiter in den Süden Schottlands. Während unserer Reisevorbereitungen ist uns aufgefallen, dass viele den Süden wenig bis gar nicht beachten. Wie schade! Wir wollten eigentlich auch nur eine Nacht dort verbringen und gleich weiter nach Glasgow, haben uns dann aber doch umentschieden. Unzählige Ruinen von alten Abteien und Kirchen, saftig grüne Wiesen mit Schafen und Kühen, Flüsse und wunderschöne kleine, verträumte Orte warteten auf uns. Leider wollen auch hier die meisten Abteien und andere Sehenswürdigkeiten viel Geld für eine Besichtigung haben. Aber auch von außen betrachtet sind sie sehr beeindruckend. Sogar wenn es den ganzen Tag regnet 😉 Das schöne Wetter hatte uns verlassen. Dafür habe ich hier mein erstes „Steak Pie“ und zum Nachtisch „Sticky Toffee Pudding“ gegessen. Himmlisch, sage ich euch! Lang gegartes Rindergulasch unter einer Blätterteighaube, dazu Gemüse und Kartoffeln. Der „Pudding“ entpuppte sich als warmer Schokoladenkuchen mit Toffeesoße und Vanilleeis. Hmmmm…

Keine Frage, Schottland ist teuer. Aber auch für schmalere Budgets oder auch Pfennigfuchser gibt es ein paar tolle Sachen von innen zu sehen. In Kelso ist die Abteiruine kostenlos zu begehen. Zwar klein, aber auch wunderschön. Es ist schon beeindruckend, einem so alten Gemäuer so nah zu sein und über einen Friedhof zu wandeln, auf dessen Grabsteinen man kaum noch etwas erkennen kann. Ebenfalls kostenlos ist das „Mary, Queen of Scots House“ zu besichtigen. Ein Museum, das die tragische Geschichte der Königin Mary erzählt, in dem Haus, in dem sie bei einem Besuch in der Stadt gewohnt hat. Am Ein-/Ausgang kann man gerne eine Spende hinterlassen. Weiter in Jedburgh unterwegs kann man sich (ebenfalls kostenlos) das „Jedburgh Castle Jail and Museum“ ansehen. Eine ehemalige, heiß umkämpfte Burg, die später zum Gefängnis umgebaut wurde, zeigt heute sehr detailliert, wie die Gefangenen untergebracht waren, welche Strafen verhängt wurden usw. Auch hier kann man wieder eine Spende am Ein-/Ausgang hinterlassen.

Unser Fazit: Auch wenn es bestimmt hochwertigere Sehenswürdigkeiten gibt, unserer Meinung nach ist eine Spende sehr verdient, denn wir haben schon deutlich schlechtere Attraktionen für viel mehr Geld gesehen.

Mein persönliches Highlight im Süden Schottlands war und ist das Hermitage Castle. Vielleicht gerade wegen des Wetters. Irgendwo im Nirgendwo steht eine Burgruine, von der tatsächlich noch die kompletten Außenmauern und einige „Treppen“ ins obere Stockwerk vorhanden sind. Der Geschichte nach spukt es in dem Gemäuer und ich weiß nicht, ob es am Wetter lag oder an der totalen Einsamkeit, es wirkte tatsächlich sehr gespenstisch. Für den, der hier liest und sein Reisebudget zusammenstellt: Der Eintritt liegt bei 4.50 GBP für einen Erwachsenen. Für mich war es das auf jeden Fall wert. Wir waren die einzigen Besucher und das machte es noch gespenstischer. Leider auch sehr rutschig, denn ein Dach gibt es nicht mehr. Nebenan gibt es noch einen verwaisten Friedhof und einen kleinen Fluss, der bei schönem Wetter bestimmt ein super Picknick-Platz ist.

Am nächsten Tag waren wir dann in Glasgow. Da das Wetter noch immer nicht wirklich vielversprechend aussah, waren wir vormittags erst mal in einer Mall und haben uns Regenhosen besorgt und für mich neue Trekkingschuhe. Meine alten waren leider nicht wasserdicht. Mittags haben wir uns dann einen Pub gesucht, da mein Herzblatt so gern das Fussball-Spiel der Glasgow Rangers gegen Celtic Glasgow sehen wollte. Das erste Derby seit 4 Jahren! Gefühlt war die ganze Stadt im Fussballtrikot unterwegs in irgendeinen Pub. Streng sortiert nach Farben. Ich bin sehr froh, dass „unser“ Team gewonnen hat. Das Publikum war schon vor Anpfiff gut alkoholisiert und erinnerte mich ein wenig an die gewaltbereiten Fussballfans, die man schon mal im Fernsehen sieht. Es mag täuschen, denn alle waren sehr, sehr nett und freundlich zu uns. Während des Spiels wurde unglaublich viel gesungen. Richtige Lieder, nicht bloß „olé, olé“.  Bei uns in der Kneipe hört man so was leider nicht. Da gibt’s immer nur „aaah“, „oooh“ und „neeeein“. Aber wer weiß, wie es bei einem anderen Spielausgang gewesen wäre. Es war jedenfalls ein einzigartiges Erlebnis.

Viel mehr kann ich über Glasgow auch gar nicht erzählen. Der Regen hatte zwar aufgehört – klar, wir hatten ja jetzt Regenhosen – aber das war auch das einzig Positive, was wir an dem Tag noch zu verzeichnen hatten. Unsere Kamera hatte Feuchtigkeit hinter der Linse und wir haben die nächsten Stunden damit verbracht, einen Laden zu finden, der das richten oder uns zumindest einen guten Tipp geben kann, was wir tun können. Erfolglos. Wir waren schon so weit, dass wir uns die gleiche Kamera noch einmal kaufen wollten. Schließlich hatten wir ja noch den Großteil unserer Reise vor uns. Aber leider war das letzte Exemplar auf dem Display verkratzt und somit unverkäuflich. Als dann noch Absagen kamen von unseren angefragten Unterkünften, der Getränkeautomat mein Geld geschluckt hat, aber keine Getränke rausrückte, der Parkautomat 5 Minuten vor unserer Ankunft die nächste volle Stunde eingeläutet hat, hatten wir dann keine Lust mehr auf diese Stadt. Sie kann nix dafür, aber sie war nicht gut zu uns 😉

Eine Unterkunft haben wir dann noch ganz kurzfristig über airbnb gefunden. Bei einem super netten Ehepaar in Parsley, nahe Glasgow. Wir wurden mit offenen Armen, einem heißen Tee und Schokoriegeln empfangen. Genau, was wir gebraucht haben. Das, ein kuscheliges Bett und ein leckeres Frühstück haben unsere Lebensgeister wieder hergestellt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich ganz großer Fan vom schottischen Frühstück bin. Ich kann gut auf den Black Pudding (gebratene Blutwurst) und die warme Tomate verzichten, aber Baked Beans, Bacon, Würstchen, Pilze und irgendwas aus Kartoffel zum Frühstück finde ich einfach großartig!

Unsere Kamera hat übrigens in einer Tüte voll mit herkömmlichen Reis übernachtet und war von da an wieder voll einsatzfähig.

Weil nicht nur das, sondern die ganze Reise ein Grund zum Freuen ist, wandert sie natürlich auch zum FreutagSchnittchens WeltZwergstücke und Maries Welt.

Was soll ich sagen? Drei Tage sind erst rum und ich habe das Gefühl, ich hätte schon einen halben Roman geschrieben. Ich werde hier also eine Pause einlegen und euch beim nächsten Mal wieder mitnehmen. Dann geht es Richtung Norden durch den Loch Lomond Nationalpark und in die Highlands.

Auf Wiedersehen… bei Teil 2 🙂

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2 Kommentare zu „Eine Reise durch Schottland – Teil 1

  1. Ich habe jedes Wort deines Reiseberichts verschlungen und die Bilder sind auch ganz, ganz wundervoll. Ach, ich bekomme schon wieder echtes Fernweh, wenn ich das so sehe. Schottland, Irland, England… Meine absoluten Traumziele!

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